Chronisch krank zu sein ist wie sein 9. Kind zu kriegen. Keiner schert sich drum, aber jeder hat eine Meinung

Chronisch krank zu sein ist wie sein 9. Kind zu kriegen. Keiner schert sich drum, aber jeder hat eine Meinung

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Vorwort: Dieser Beitrag ist nicht von mir, ich habe ihn lediglich aus dem Englischen übersetzt, weil er so grandios ist. Die Verfasserin heißt Kelley und schreibt auf ihrem wunderbaren Blog auf ihrer Webseite „magneto bold too“ über ihr Leben mit einem autistischen Sohn, über ihre chronische Krankheit (Dysautonomie, komplexes Thema) und was ihr sonst in den Sinn kommt.

Ich selbst bin eine „MADE“, das steht für „Mutter, an Depressionen erkrankt“. Insofern kann ich Kelleys Beitrag sehr gut nachvollziehen, abgesehen davon, dass ich selbst nie schwanger war 😉

Jetzt aber zu Kelleys Text (sie spart nicht mit Schimpfwörtern):

Wenn du mit deinem ersten Kind schwanger bist, ist das richtig GUTER Scheiß. Man kümmert sich und dich, und du kannst dich ausruhen und im wahrsten Sinne des Wortes auf deinen Bauch hören.

Jeder macht „ooooh!“ und „aaaah“ und ist so verdammt fürsorglich.

Genauso ist es, wenn du eine dieser kurzen Krankheiten hast. Deine Leute bringen dir was zu futtern und Blumen und bieten an, dir den Boden zu wischen oder die Kissen aufzuschütteln und WENN DU, OH GOTT, SOGAR IM KRANKENHAUS BIST, holen die Weiber dir sogar deine Kinder von der Schule ab und was weiß ich.

***

Dann wirst du mit deinem zweiten Kind schwanger, und die Leute sind immer noch etwas interessiert, aber du wunderst dich, dass sie dir nicht den Bauch kraulen wollen, und keiner der Ärsche will dein anderes Kind babysitten, damit du mal deine Augen NUR FÜR EINEN MOMENT schließen kannst, geschweige denn deinen Bauch einölen oder ähnlichen Scheiß. Was ist passiert?

So in etwa, als würde sich deine kurze Krankheit hinziehen, sagen wir mal für ein paar Wochen … oder einen Monat. Die Leute würden sagen, sollte es nicht langsam mal besser werden?, oder sie bringen kein Essen mehr vorbei oder vergessen, dass sie versprochen hatten, deine Kinder abzuholen. Solche Scheiße halt.

***

Und dann kriegst du dein 9. Kind und die Leute haben MEINUNGEN, auch wenn du alles Geld der Welt hast und einen Beckenboden, der zurückschnappt wie ein Trampolin. Arschlöcher, die zu allem eine Meinung haben, müssen dir jede. einzelne. davon. in ALLER AUSFÜHRLICHKEIT kundtun.

Es ist schlimmer, wenn du chronisch krank bist. Nach einem Monat oder so werden die „wie geht’s“ zu „was unternimmst du, um dir selbst zu helfen?“, und die mitgebrachten Essen werden zu „kümmerst du dich denn nicht um deine Familie?“, und es gibt viel Augengerolle und allmählichen Rückzug.

Andere Leute werden sehr wütend oder „enttäuscht“, wenn sie versuchen zu helfen und ihre Form der Hilfe nicht genügend gewürdigt wird. Zum Beispiel, wenn sie dir Links zu Wunderheilmitteln schicken, für die du nicht sofort dein begrenztes Budget verjubelst. Oder du versuchst zu erklären, dass das Mittel ziemlich schädlich für jemanden wie dich sein könnte, angesichts der vielen Medikamente, die du schon nimmst – und dann kommt die Antwort: „Dann nimm die Medikamente halt nicht. Willst du überhaupt, dass es dir besser geht?“

Oder mein persönlicher Favorit: „Sag mal, VERSUCHST du überhaupt, dir selbst zu helfen?“

*sprachlos*

Scheint so, als müsste man als jemand, der mit einer chronischen Krankheit lebt, jeden kleinen Krümel Freundlichkeit von anderen aufheben und wie kostbare Edelsteine behandeln. Sie polieren, bis sie glänzen, und sie dann ihren früheren Besitzern zurückgeben in der Hoffnung, dass sie ihren Wert erkennen und dir noch ein paar davon zuwerfen.

Ich meine, Scheiße, was bleibt mir sonst übrig… ich sitze mir hier meinen fetten Hintern platt und kann sonst nicht viel tun.

Scheiß auf das Gesabbel.

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